Unbezahlbar sei es das so genannte Architektenhaus.
Eine Exklusivität, die den der oberen Zehntausend vorbehalten ist?

Seit je her haftet der Dienstleistung Architektur das Klischee der Luxusware an, die bei vielen einen elitären Nachgeschmack hinterlässt. Ein Grund für diese Annahme mag in der allgemeinen Uneindeutigkeit der Architektur liegen: Kunstwerk oder doch nur Gebrauchsgegenstand? Ein weiterer Grund liegt wohl in der Annahme, nur besser verdienende Prestigeträger würden für die Errichtung ihrer„repräsentativen“ Domizile Architekten beauftragen. Aber Qualität ist nicht Luxus und Architektur ist nicht unerschwinglich!
Es gibt also keinen Grund, warum ein gut überlegter Grundriss mehr kosten soll als einer im gängigen 08/15-Format. Es kostet auch nicht mehr, die Umgebung mit einzubeziehen oder etwa örtliche Gegebenheiten und Himmelsrichtungen zu berücksichtigen. Und auch Gespräche zwischen Architekt und Auftraggeber verteuern den Bau nicht. Oft können dadurch Grundrisse optimiert werden und das Weglassen unnötiger Flächen führt im Gegenteil sogar noch zu finanziellen Einsparungen.
Die Grundelemente eines Gebäudes – Fundament, Keller, Rohbau und Dach – werden in der Regel von Firmen ausgeführt und beanspruchen immerhin schon 50% der Gesamtbaukosten. Hier kann der Architekt helfen, Kosten zu verringern, indem das Architekturbüro die Leistungen ausschreibt und den Bestbieter ermittelt. Die gleiche Vorgehensweise wird auch beim Innenausbau angewandt. Die Auftraggeber haben dabei die Möglichkeit die Materialauswahl zu diskutieren sowie Vorteile und Nachteile abzuwägen. Diese Gespräche bringen oftmals die Einsicht, dass das Material nicht immer teuer sein muss, um die gestalterischen Absichten zu erfüllen. Dieser Prozess des nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, garantiert den Kunden allerdings das optimale Ergebnis zum besten Preis.
Nicht ohne Grund nehmen viele Wohnbau-Genossenschaften die Dienstleistungen von Architekturbüros in Anspruch. Hier können die Architekten durch ihre Planung dazu beitragen, dass trotz knapper Kalkulation auch der geförderte Wohnbau hohe Wohnqualität aufweist. Ein Blick nach Vorarlberg zeigt, wie intelligentes und kostengünstiges Bauen jenseits designüberladener Prestigebauten aussehen kann.
Nicht Haute Architecture, sondern Gebrauchsarchitektur zum leistbaren Preis – so lautet die Devise zeitgemäßer Baukultur.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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