Konfliktpunkt Dachgeschoßausbau. Es scheiden sich die Geister.
Nach ersten Verhandlungsfortschritten sind sie erneut im Gerede.

Dachgeschossausbauten beanspruchen keinen zusätzlichen Baugrund, produzieren nicht mehr Verkehr und benötigen keine zusätzliche Infrastruktur für Wasser, Energie und Kanalisation. Sie bieten die Möglichkeit hoher Raumqualität, gepaart mit Sonne und Aussicht. Klingt doch bestens, möchte man meinen.
Dennoch häufen sich die Probleme. Gegnern von Dachausbauten bemühen immer wieder das „Weltkulturerbe“, das die Veränderungen von Dachlandschaftenn angeblich ablehnt. Neuerdings tut sich ein neues Hindernis auf. Der Anrainer eines Wiener Dachgeschoßausbaus hat gegen einen Baubescheid berufen. Der Verwaltungsgerichtshof hat mit Erkenntnis vom 30. Jänner 2007 Folgendes ausgesprochen: Ist in den Bebauungsbestimmungen festgelegt, dass der höchste Punkt des Daches nicht höher als 4,50 m über der ausgeführten Gebäudehöhe liegen darf, so kann der Winkel von 45 Grad - wie dies bisher gehandhabt wurde – bei größerer Trakttiefe nicht ausgeschöpft werden, weil die fiktive Firsthöhe im äußersten Fall auf dem genannten Höchstpunkt zu liegen kommen darf.
Im Klartext: Das ist eine immense Einschränkung des ausbaubaren Volumens. Dieser Fall zeigt einiges auf. Erstens: Anrainer sind sehr oft gegen neue Projekte in ihrer Nachbarschaft – auch dann, wenn sie selbst ein solches Projekt planen oder bereits verwirklicht haben. Zweitens: Die Bebauungspläne der Baubehörden legen bedauerlicherweise für viele Liegenschaften Gebäudehöhen fest, die niedriger sind als jene der umliegenden Nachbarhäuser.
Es wird argumentiert, dass im Fall eines Neubaus die Lichtverhältnisse verbessert würden. Tatsächlich sind viele bestehende Gebäude gar nicht abbruchreif - Erhaltung und Erweiterung durch einen Dachausbau würden daher Sinn machen. Geht aber nicht, da der Bebauungsplan diese Vorhaben entweder nicht oder nur mit Ausnahmegenehmigungen zulässt – was den Anrainerrechten mehr Möglichkeiten bietet, das Vorhaben zu verhindern.
Da der Bebauungsplan ein politisches Instrument ist, sei die Frage erlaubt, ob nicht Veränderungen angebracht wären, um das vorhandene Potenzial städtischer Ballungszentren bei der Erschließung von wertvollem Wohnraum zu nützen. Denn letztendlich kann das Forcieren von Stadterweiterung allein keine Lösung sein.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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