Offenes Wohnen, freier Geist. Es müssen nicht immer nur die
buchstäblichen vier Wände sein, die uns das Zuhause formen.

Wenn jemand von den „eigenen vier Wänden“ spricht, so meint er damit das eigene Zuhause. Oft ist dieses Zuhause allein durch die Tatsache definiert, dass eben diese vier Wände das „Drinnen“ vom „Draußen“ abgrenzen.
Doch ein Zuhause sollte heutzutage mehr können als nur von Mauern umgrenzte Räume vor der Außenwelt abzuschotten. Oder anders: Vier Wände müssen mehr können als bloß einen Raum zu umschließen. Wiewohl viele Häuser in den typischen Vorstadt-Siedlungen nicht einmal das schaffen. Sie stehen dicht an dicht, die Terrassen vor den Wohnzimmern sind einsehbar, im Sommer sind sie heiß, im Herbst windig, im Winter unbenutzbar.
Zwar hat sich nicht das Bedürfnis nach Privatheit verändert, sehr wohl aber die Gesellschaft. Konservativen Tendenzen zum Trotz ist sie offener und pluralistischer geworden und führt einen solcherart gewandelten Lebensstil. Diese Umstände sollten daher auch in modernen Hauskonzepten ihre Entsprechung finden. Das Aneinanderreihen von Zimmern, die Aufteilung von unten nach oben und das kompromisslose Trennen von Innen und Außen beengen die Möglichkeiten der Gestaltung enorm – sie werden den neuen Spielregeln der Gesellschaft längst nicht mehr gerecht.
Ein Blick in die Geschichte offenbart: Das Atriumhaus ist ein Beispiel für einen alternativen und gut funktionierenden Haustypus. Hier sind rund um einen zentralen Raum alle Zimmer des Hauses angeordnet. Diese Hausform bietet Schutz gegenüber der Umwelt und gegenüber fremden Blicken. Ein zeitgemäßes Haus sollte sich über verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Qualitäten in offene und geschlossene Bereiche entwickeln. Innen und Außen können so zueinander in Beziehung gesetzt werden, dass sich die Grenzen verschieben, ja vielleicht sogar auflösen. Anstelle einer Terrasse können Teile des Hauses auskragen und somit überdeckte Freiflächen erzeugen, die vor Regen schützen und Schatten spenden. Ein Stück begrünte Mauer vermag die private Sphäre zu hüten. Soweit nur einige Anregungen für zeitgemäßes Planen.
Die große Anzahl moderner Baumaterialien und die technische Entwicklung mannigfaltiger Wand- und Deckenkonstruktionen ermöglichen heute den Einsatz von beweglichen Elementen für ein freies, vielseitiges, „lebendiges“ Haus.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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