Trendwende im kleinen Wohnen

Ein Schrebergartenhaus ist für viele eine feine Sache. Aber die Planung hat's in sich.

Ursprünglich als Initiative gegen Hunger und Wohnungsnot gedacht, avancierte das Schrebergartenhaus zum Kleinod des Kleinbürgertums. Heute sind Kleingärten nicht nur Oasen unverblümt schlechten Geschmacks, sondern dienen jungen Familien zum ganzjährigen Wohnen.

Komplizierter Bebauungsplan
Als Alternative zu überteuertem Wohnraum mit Garten oder gar als Abhilfe gegen die Flucht aufs Land erfordert ein Schrebergartenhaus aber Erfindergeist und Lust am Tüfteln, denn die Bestimmungen zur Errichtung von Häusern in Schrebergartensiedlungen haben es in sich. Der Bebauungsplan unterscheidet zwischen dem Grünland "Kleingartengebiet für ganzjähriges Wohnen", dem Bauland "Gartensiedlungsgebiet" und dem Bauland "Wohngebiet Bauklasse 1". Sehr kompliziert.

Begrenzungen
Im Bauland Wohngebiet kann ein Drittel der Grundstücksfläche verbaut werden, die Gebäude dürfen maximal neun Meter hoch sein, sofern nicht besondere Bestimmungen dem widersprechen. In den Gartensiedlungsgebieten sind Größe und Volumen von Gebäuden genau definiert. Die Bauvorschriften erlauben, exakt 50 Quadratmeter an Fläche bzw. 25 Prozent der Grundstücksfläche zu verbauen oder aber 250 Kubikmeter umbauten Raum zu errichten. Die Gebäudehöhe ist mit maximal 5,50 Metern begrenzt.

Erleichterungen
Es gibt aber auch Erleichterungen. So dürfen die Raumhöhen niedriger als 2,50 Meter sein, der Fußboden des Wohnraumes darf teilweise unter Terrain liegen, Brand- und Schallschutz sind weniger restriktiv als im herkömmlichen Wohnbau geregelt.

Herausforderung
Planen und Bauen unter diesen strengen Bedingungen sind eine Herausforderung. Nur mit viel Mut der Bauherrschaft und mit kreativem Können der Planer kann eine befriedigende Lösung erzielt werden. Im Vorfeld müssen die Beteiligten abklären, wie groß und wie hoch (oder besser wie klein und wie niedrig) ein Wohnraum oder Schlafraum sein soll, um den Bedürfnissen der Bewohner zu entsprechen. Es ist zu entscheiden, welche Räume unter Terrain zu liegen kommen und wie diese mit Tageslicht versorgt werden können.

Mit simpel gestrickten Vorstellungen wird man hier nicht weit kommen. Dreidimensionales räumliches Denken ist gefragt. Hier zeigt sich mehr denn je, dass unter erschwerten Bedingungen oft gute Lösungen gefunden werden können. Not macht eben erfinderisch.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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