Architektur biete viele Wege, die begangen werden können.
Saniert, aufgestockt, neu?
Das muss jeder Bauherr für sich entscheiden.

Erneuern, bewahren, verbessern, verändern – das sind Schlagworte, über die sich Hauseigentümer früher oder später den Kopf zerbrechen müssen. Der Wunsch nach Veränderung und Erneuerung ist dabei die eine Seite, die gesetzlichen Auflagen und Vorschriften die andere. Baubehörden, deren Gutachter und Bundesdenkmalamt sind für die Einhaltung der Gesetze zuständig. In Schutzzonen dürfen Gebäude nur bedingt verändert werden, bei denkmalgeschützten Häusern muss der ursprüngliche Bestand erhalten werden.
In Wien ist die Schutzzone etwa sehr üppig über die Bezirke verteilt, mit dem Prädikat Weltkulturerbe scheint sich eine unablässige Euphorie des Bewahrens breit gemacht zu haben. Das war nicht immer so. Eine Vielzahl von sehr geschätzten, historischen  Gebäuden – Barocker Zierrat wurde der Gotik übergestülpt, diese wiederum sitzt auf Romantik – persiflieren die Bewahrungs – Mentalität geradezu.
Wird ein Gebäude nur erhalten oder mit geringfügigen Änderungen im Inneren instand gesetzt, so muss das Vorhaben bei der Baubehörde gemeldet werden. Wird innerhalb der Hülle umgebaut, muss eine Baugenehmigung erwirkt werden. Wärme-und Schallschutz, Lichteinfall, barrierefreies Bauen und andere Auflagen sind dabei zu beachten.
Bei äußeren Veränderungen muss in Städten wie Wien die Magistratsabteilung für Stadtgestaltung zustimmen. Bei Zubauten und Aufstockungen muss die Statik des Hauses überprüft und die Erdbebennorm erfüllt werden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind finanzielle Überlegungen angebracht. Ein Umbau ist meist nur dann sinnvoll, wenn die Grundstruktur des Hauses in Ordnung ist und die Kosten nicht höher anzusetzen sind als jene eines Neubaus. Entscheidet man sich für den Umbau, können in etwa die Kosten eines Rohbaues – das sind 30 und 40 Prozent der Herstellungskosten - eingespart werden. Ein Neubau kommt dann in Frage, wenn das bestehende Gebäude den geforderten Auflagen längst nicht mehr entspricht und die Bebauungsbestimmungen einen Neubau mit mehr Nutzfläche als der Altbestand zulassen.
Es gilt gesetzliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Überlegungen und die ganz persönlichen Wünsche des Erhaltens oder Erneuerns auf einen Nenner zu bringen.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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