Auch Architekten haben Vorsätze fürs neue Jahr.
2007 in aller Frische: Architekt Heinz Lutter tippt
seine Wunschliste in die Tasten.

Im Baugeschehen sind viele Beteiligte involviert. Die Palette reicht von privaten und öffentlichen Auftraggebern, Genossenschaften, Bauträgern, Architekten und anderen Planern bis hin zu Behörden, Bauausführenden, aber auch zu Politik und Medien. Alle bestimmen durch ihr Mitwirken die jeweilige Baukultur eines Landes. Das neue Jahr hat begonnen. Damit ist eine neue Zeit voll von Vorsätzen und Wünschen eingeleitet. Ich halt mich an diesen Brauch und wünsche mir:

1. Ich wünsche mir, dass Architektur vermehrt öffentlich und nicht nur unter Experten diskutiert wird und dadurch die Baukultur lebendig wird.
2. Ich wünsche mir, dass Baukultur nicht nur über so genannte Highlights transportiert und definiert wird.
3. Ich wünsche mir, dass Medien das Interesse am Thema „Architektur“ stärker bekunden als an den Seitenblicken.
4. Ich wünsche mir, dass die Politik Architektur auf ihre Agenda setzt, umso mehr als Bauen alle Bürger betrifft.
5. Ich wünsche mir, dass ArchitektInnen ihre Dienstleistungen der Öffentlichkeit erklären umso mehr, als diese Dienstleistungen weit über das Designen hinausgehen.
6. Ich wünsche mir, dass die Gebührenordnung für Architekten leistungsorientiert, transparent und für jeden nachvollziehbar gemacht wird.
7. Ich wünsche mir, dass damit das unselige und qualitätsmindernde Preisdumping eingedämmt wird.
8. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen zu Baufrauen und Bauherren werden.
9. Ich wünsche mir, dass Anrainer in Bauverfahren den Bauwerbern für deren Bauvorhaben das gleiche Recht zugestehen, das sie in Anspruch genommen haben oder in Anspruch nehmen wollen.
10. Ich wünsche mir, dass Baubehörden die Bauverfahren ohne Einschreiten von Rechtsanwaltskanzleien abwickeln können.
11. Ich wünsche mir, dass Schutzzonen selektiver festgelegt werden.
12. Ich wünsche mir, dass das Weltkulturerbe nicht nur dem Fremdenverkehr zugute kommt.
13. Ich wünsche mir, dass der Denkmalschutz einen Dialog zwischen Bewahrern und Erneuerern zulässt.
14. Ich wünsche mir, dass Bauträger nicht Rendite mit Qualität verwechseln.
15. Ich wünsche mir, dass in Zukunft  mehr als zehn Prozent des Bauvolumens in Österreich von Architekten geplant wird.

Wünschen darf man sich´s ja.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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