Dachgeschoß-Ausbau: Jetzt handeln!

Am 1. Jänner 2009 tritt der Eurocode 8 in Kraft. Der Ausbau von Dach­geschoßen wird damit um einiges schwieriger - Von Heinz Lutter

Abgesehen von den vielen bestehenden Einschränkungen und sonstigen Unannehmlichkeiten, die von juristischen Spitzfindigkeiten genährt werden, wird es ab nächstem Jahr für viele Bauherren ein bisschen ungemütlicher. Für den Ausbau von Dachgeschoßen wird sich nämlich Grundsätzliches ändern. Zurzeit gilt für Bauvorhaben in Wien das Merkblatt der Baupolizei vom 5. April 2006. Dieses gliedert die Dachgeschoßausbauten in so genannte "leichte Ausbauten" und "schwere Ausbauten".
Leichte Dachausbauten sind im Wesentlichen mit zwei Dachgeschoßen limitiert und müssen im Rahmen der maximalen Gewichtszunahme von 720 kg/m2 liegen. Das gibt - einiges architektonisches Geschick vorausgesetzt - einige ansprechende Möglichkeiten für die gestalterische Planung.
Das besagte Merkblatt gilt jedoch bis längstens 31. Dezember 2008. Bald schon soll der so genannte "Eurocode 8" Gültigkeit haben. Mit dem Jahreswechsel 2009 wird die EU-Norm auch in Österreich eingeführt werden. Für Wien heißt das: Alle Umbaumaßnahmen, die über den § 68 der Wiener Bauordnung hinausgehen, sind als Neubauten anzusehen. Zu bedenken ist, dass der § 68 ausschließlich Um- und Zubauten im geringen Ausmaß in bereits bestehenden Gebäuden umfasst. Darunter fallen eingeschoßige Dachgeschoß-Ausbauten, die nicht über die bestehende Dachhülle hinausgehen - wie etwa der Einbau eines Galeriegeschoßes.
Das war's dann auch schon mit den Ausnahmen von den gesetzlichen Bauvorschriften. Alle weiter reichenden Ausbauten, die nicht in den Bereich des § 68 fallen, sind ab dem 1. Jänner 2009 als Neubauten einzustufen. Allein in statischer Hinsicht ergeben sich daraus einige Schwierigkeiten: So muss die Mörteldruckfestigkeit für Ziegelmauerwerk mindestens 2,5 N/mm2 betragen, schubfeste Decken müssen mit Stahlbetonrost ausgeführt werden. Bei bestehenden Gebäuden sind derartige Forderungen in den meisten Fällen nicht realisierbar - zumindest nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Da in der Regel Genehmigungsverfahren sechs Monate und länger dauern können, wird das erwähnte Merkblatt nächstes Jahr wahrscheinlich keine Anwendung mehr finden. Daher der Appell an Bauherren und Architekten: Reichen Sie Ihre geplanten Projekte noch heuer bei der Baubehörde ein!

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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