Was dürfen Architektenleistungen kosten?
Und kann man zwischen immateriellen Leistungen eins zu eins
Vergleiche anstellen?

„Mir liegt das Vergleichsanbot eines Mitbewerbers vor, der in allen wesentlichen Punkten die von Ihnen vorgeschlagenen Kostensätze unterschreitet. Sollten Ihnen entsprechende Nachbesserungen nicht möglich sein, werde ich das Projekt nicht mit Ihrem Büro realisieren.“

 Mit dem Hinweis, dass etliche Architekten mit besseren Preiskonditionen auf den Auftrag warten, fordern nicht nur private Bauherren hohe Nachlässe. Man könnte sagen, der Markt bestimmt den Preis. Doch immaterielle Leistungen, wie Entwurf und Planung sind keine Waren. Ein Bauherr, der über ein besonders günstiges Planungsangebot frohlockt, übersieht dabei die Gefahr, dass Handeln und Feilschen mitunter auch die Qualität schmälert.

Grundlage für alle Architektenleistungen ist die Honorarordnung für Architekten, die sogenannte HOA. Sie definiert Architektenleistungen und Honorarsätze und teilt die Bauaufgaben in Schwierigkeitsklassen ein. Als Beispiel: Eine Schule ist schwieriger zu planen als eine Garage, der Prozentsatz für das Honorar – gemessen an den Baukosten  - ist daher höher.

Die Architektenleistungen schlüsselt die HOA in Teilleistungen wie Entwurfsarbeit, behördlichen Einreichung, Ausführungsplanung, Bauabwicklung etc auf.Die Honorarordnung ist zwar nicht gesetzlich bindend, sehr wohl aber ein verlässliches Regelwerk.

Ein Kritikpunkt sei angebracht: Da sich die Höhe des Honorars nach der Höhe der Herstellungssumme des Bauwerkes richtet, kann unterstellt werden, dass der Architekt Interesse hat, diese in die Höhe zu treiben. Doch nur der Architekt, der es versteht kostengünstig und dabei qualitätsvoll zu planen, wird Referenzen für weitere Aufträge erhalten. Das Hochpeitschen der Baukosten wäre daher eine sehr kurzfristige Angelegenheit. Durchaus möglich sind Verhandlungen zwischen Auftraggeber und Architekt über Bonus und Malus für das Honorar. Gelingt es dem Architekten, die veranschlagten Baukosten zu unterschreiten, erhält er zum Honorar einen vereinbarten Zuschlag. Eine Überschreitung verringert das Honorar.

Bauherr und Architekt sollten dort um den Preis verhandeln, wo der Sachverhalt klar umrissen ist. Das Feilschen um den Preis bei kreativer Leistung wirkt sich immer qualitätsmindernd aus.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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