Er hat verrückte Ideen, ist sauteuer, und der Baumeister kann´s
genauso gut – wozu braucht man überhaupt einen Architekten?

Immer wieder wird mir diese Frage gestellt. Was kann der Architekt, was ein Baumeister, eine Fertighausfirma, ein Küchenstudio oder Wohnberater im Möbelhaus nicht können? Auch denken viele, Architekten hätten nur verrückte Ideen und wären viel zu teuer.

An dieser Stelle möchte ich aufklärend einschreiten. Ein Architekt ist ein Dienstleister.

Gemäß seiner Ausbildung und Praxiserfahrung ist er Fachmann in Fragen der Gestaltung und Planung. Für ein Einfamilienhaus etwa wird er gemeinsam mit den Auftraggebern ein Raumprogramm erarbeiten und den Grundriss so optimieren, dass keine unnötigen Flächen zurückbleiben, die unnötige Kosten verursachen.

Der Architekt ist auch Berater. Schon beim Grundstückskauf kann er beurteilen, ob Hanglage, Zuschnitt, Besonnung und andere Faktoren für das jeweilige Projekt von Vorteil sind. Er interpretiert Bebauungsbestimmungen und berechnet die Ausnutzungsmöglichkeiten des Grundstücks.

Wichtig ist die Vertretung des Auftraggebers bei den aufwändigen behördlichen Genehmigungsverfahren.

Als Ziviltechniker, und ein solcher ist der Architekt, hat er vor Behörden eine besondere Stellung. Er ist sozusagen der technische Anwalt der Auftraggeber.

Der Architekt erstellt die Baupläne mit allen Details, bespricht diese mit Fachfirmen, schreibt die Bauleistungen aus, prüft die Angebote, verhandelt die Preise und bestimmt den Bestbieter. Allein dieses Ausschreibungsverfahren inkl. Bestpreis-Eruierung, bringt mehr finanzielle Vorteile, als das Honorar des Architekten insgesamt ausmacht. Während der Bauzeit koordiniert er die ausführenden Firmen, prüft und kontrolliert Leistungen und Rechnungen.

Der mir wesentlichste Aspekt ist aber die Rolle des Architekten als unabhängiger Fachmann. Jedes Unternehmen wird sein Produkt als das beste anpreisen. Der Architekt aber ist unabhängig. Er beurteilt ein Produkt nach den Kriterien und Vorgaben der Auftraggeber und nach seinen Gestaltungsabsichten. Danach entscheidet er, welche Baustoffe, Fenster oder Heizungssysteme angemessen sind.

Der Architekt wird für jede Problemstellung die beste Lösung suchen und durch optimale Planung den Auftraggeber/innen optimalen Nutzen bringen.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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