Die beliebten Dachgeschoßausbauten stellen Architekten
vor eine Fülle bürokratischer und technischer Hürden.

Wohnen am Dach ist die Sehnsucht vieler Urbanisten  - den Überblick bewahren, den Sonnenuntergang genießen, vielleicht ein Fleckchen Natur für sich allein haben. Wer würde da wohl nicht sein städtisches Durchschnittsdomizil zurücklassen?

Die Dachlandschaft Wiens verfügt über tausende Quadratmeter ungenutzter Flächen. Wer bei Dachgeschoßausbauten gestalterisch weiter denkt als an Dachschrägen und Gaupen, dem eröffnet sich eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Aber: Hauseigentümer und private Interessenten oft sind unsicher, wie die Realisierung eines Dachgeschoßausbaus kostenmäßig und technisch umsetzbar ist. Da ist es wichtig, vor Planungsbeginn die richtigen Schritte zu setzen:

  • anhand der gesetzlichen Bebauungsbestimmungen, in denen die Ausnutzbarkeit der Liegenschaft festgelegt ist, den möglichen Größenumfang des Dachgeschoßausbaus eruieren.
  • die statischen Erfordernisse in Bezug auf den Zustand des Hauses und in Bezug auf die Erfüllung der Erdbebennorm festlegen.
  • die technische Infrastruktur für Wasser, Gas, Strom prüfen.
  • die Frage des Einbaus eines Aufzuges klären.
  • die Möglichkeit der Errichtung eines Autoabstellplatzes prüfen.

Diese fünf Punkte sind die wesentlichen Parameter, die der Architekt für den Bauwerber zu checken hat. Er wird die Bebauungsbestimmungen als Gesamtes interpretieren und herausfiltern, in welcher Form der Ausbau realisiert werden kann. Der Architekt klärt, welchen Umfang der Ausbau annehmen kann, der einerseits der Erdbebenorm entspricht, und andererseits die Kosten nicht explodieren lässt. Kurz, er fertigt eine Studie an und erstellt die Kostenschätzung.

Entschließt sich der Bauherr, das Projekt zu realisieren, wird es bei der Baubehörde eingereicht, die überprüft, ob es allen Vorschriften entspricht. Sie entscheidet auch darüber, ob der geplante Dachgeschoßausbau in das Stadtbild passt - in Wien ein heißes Eisen.

Weltkulturerbe, Denkmalschutz und Schutzzone geben Anlass zu kontroversen Diskussionen. Ein Ausbau in der bestehenden Dachhülle löst zwar wenig Widerstand aus, ist aber ein langweiliges Unterfangen und schöpft in keiner Weise das gestalterische Potential aus. Also ist der Architekt gefordert, seinen Erfahrungsschatz einzubringen und das gewagtere Projekt bei der Behörde durchzusetzen. Damit einem Glas Prosecco auf der Terrasse nichts mehr im Wege steht.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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