Was kostet ein Einfamilienhaus wirklich?
Der Vergleich macht Sie reich, weiß die Werbung.
Doch wie vergleicht man Äpfel mit Birnen?

Unter Hausbauern in spe kursieren oft etwas verfälschte Preisvorstellungen. 1100 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche werden als Schnäppchen dotiert, während 2000 Euro bereits als unverschämter Wucherpreis gelten. Solche Zahlenspiele werden gerne bei Vergleichen zwischen Fertigteilhaus, Baumeisterhaus oder dem von Architektenhand geplanten Haus angestellt.
Zahlen wie diese sind aber nicht viel wert, wenn unklar ist, welche Leistungen darin enthalten sind. Vergleichen kann man nur dann, wenn die Preisgestaltung transparent ist. Hier beginnt das Problem. Wie wurde die Nutzfläche überhaupt berechnet? Inklusive Keller, Balkon und Terrasse? Ist der geplante Partyraum im Keller wärmegedämmt und beheizt oder doch nur kalter Keller?
Die Herstellungskosten eines Hauses setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Zunächst einmal aus den so genannten reinen Baukosten für Baufirma und Handwerker, nicht zu vergessen die Zuleitungskosten für Strom, Wasser und Kanal. Dann die Baunebenkosten für die Konsulenten – Statiker, Bodengutachten, Geometer, nicht zuletzt der Architekt. Alle Kosten zuzüglich 20 Prozent Umsatzsteuer, eh klar.
Immer wieder werde ich von Kunden mit genauen Baubeschreibungen ihres Wunschprojekts konfrontiert und werde um deren Bewertung für eine Kaufentscheidung ersucht. So etwas seriös zu machen fällt nicht leicht, da die Baubeschreibungen meistens mehr verschweigen als beschreiben. Hier bietet das Architektenhaus den Vorteil, dass eine genaue Ausschreibung aller Leistungen nachvollziehbar macht, wie die Kosten zustande kommen und was sie umfassen.
Ein wesentlicher Faktor ist der Vergleich der angebotenen Qualität. Aber wie lässt sich das für einen Laien bewerkstelligen? Man muss die angebotene Wohnfläche differenziert betrachten: Unnötige Gangflächen beispielsweise kosten das Gleiche wie hochwertiger Wohnraum. Dazu gehört auch eine genaue Prüfung der für das Projekt vorgesehenen Materialien. Ist die Holzschicht des hoch gepriesenen „edlen“ Parkettbodens 24 Millimeter stark - oder doch
nur 4?
Aus der Praxis kann ich nur raten, dass sich die zukünftigen Hausbesitzer die Leistungen so detailliert und transparent wie nur möglich anbieten lassen .Nur so sind auch die Kosten annähernd prüfbar und vergleichbar.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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