Größer, höher, weiter – Lust auf mehr Loft zum Leben?
Am Wohnungsmarkt zeichnet sich ein neuer Trend ab.
Alles nur Bluff?

Von Lofts wird geschwärmt, in Lofts wird gewohnt und gelegentlich werden Lofts sogar noch am Wohnungsmarkt angeboten. Doch eigentlich gibt es keine schlüssige Definition für diese Wohnform. In den 1970er-Jahren haben Kunstschaffende und Studierende aus der (Platz-)Not eine Tugend gemacht und haben leer stehende Industrie- und Gewerbegebäude angemietet. Diese großzügigen Flächen waren ungleich günstiger als herkömmliche Großwohnungen.
Die hohen Räume mit großzügigen Fensterflächen und einem klaren konstruktiven Raster hatten so viel Charakter, dass künstliche Veränderungen gar nicht notwendig waren. Für Küche und Sanitärräume wurden kleine Einbauten vorgenommen, der Rest der riesigen Grundflächen diente dem Wohnen und Arbeiten.
Genau dieses Gefühl von Größe, Offenheit und Weite vermisst man beim heutzutage praktizierten Wohnbau – egal, ob gefördert oder frei finanziert. Die Wohnungskategorien sind mit Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen vordefiniert, Flexibilität ist dabei Mangelware.
Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Immobilienmarkt etwas größere Wohnungen gerne als so genannte„Lofts“ anbietet und damit Großzügigkeit, Luftigkeit und hohe Räume suggeriert. Fast scheint es, der Loft-Begriff kreiere einen neuen Trend. Neu errichteten Wohnbauprojekten, Dachgeschoßausbauten, aufwändig modernisierten Industriegebäuden und Dachgeschoßwohnungen wird wertsteigernd das  Label „Loft“ aufgedrückt, wobei das Produkt aber leider oft zu wünschen übrig lässt. Die Loftwohnungen am Markt sind nämlich weit davon entfernt, die coolen Wohnateliers  von anno dazumal zu sein.
Wohnen im Loft ist heute in erster Linie ein Indiz für einen hohen Preis, denn die Großraumwohnungen sind bei urbanen Quadratmeterpreisen längst zu einem Statussymbol geworden. Der ursprüngliche Loft-Gedanke vom Wohnen in postindustriellem Ambiente scheint dabei passe.
Das Loft-Konzept hätte aber sehr wohl  eine Chance im Wohnbau, wenn die normierte Wohnformel  zwischen Nutzfläche und Zimmeranzahl neu überdacht würde und wenn man die gesellschaftlichen Veränderungen endlich berücksichtigte. Flexible Wohnungsgrundrisse mit mehr Gestaltungsmöglichkeiten würden dann den Namen Loft verdienen.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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