Die Presse
27./28. April 2013

Ländlicher Luxus: Neue Wege, der heilen Welt den Hof zu machen
Text Sabine Mezler-Andelberg

Wiener Architekt in der Steiermark
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Der Wiener hat das 1650 erbaute Objekt in der Steiermark lediglich gepachtet, das aber auf Lebenszeit, schließlich hat er einiges in die Revitalisierung seines Zweitwohnsitzes investiert. „Wir haben das Haus Stück für Stück renoviert, haben es so belassen, wie es ist und nur dort eingegriffen, wo etwas kaputt war“, erzählt Lutter vom langjährigen Renovierungsprozess in dem zweigeschossigen Bauernhaus.
So wurden zwar notwendige Dinge wie Badezimmer und Heizung ergänzt, die alte Holzverkleidung in der Stube der Kammer wurde dagegen saniert, die Oberflächen aufgefrischt. Und auch alte Techniken kamen wieder zum Einsatz: Die Wände der „Labn“, des Vorzimmers, mit seinen gehackten Baumstämmen wurde belassen aber gereinigt, und die Fugen mit Moos versiegelt.

Alte Techniken, modernes Design
„Das hat man früher so gemacht“, erklärt Lutter, „man hat die waagrechten Blocks gestapelt und die Fugen mit Moos und Lehm aufgefüllt.“ Dort, wo sich das Alte nicht mehr erhalten ließ, wurde dies aber auch nicht vorgetäuscht. „Was man neu macht, soll man auch sehen und merken, und nicht geschmäcklerisch eingreifen. Wenn man versucht, etwas wieder auf alt zu machen, ist das ganz schrecklich“, so Lutter über seine Bauphilosophie.

Ein Architekt, der den Ort befragt
So sind die Sanitäreinrichtungen in klarem, modernem Design, und auch beim Mobiliar findet sich Modernes. Traditionell sind dagegen die verwendeten Materialien für beides: Hier wurden Lärchen-, Zirben- und Birkenholz verwendet, die Marmorplatten im Bad stammen genauso aus der Region wie die meisten Handwerker, mit denen Lutter gearbeitet hat.
Entstanden ist daraus ein wunderbares Kleinod mit einer ganz besonderen Atmosphäre, was vielleicht auch an der speziellen Einstellung Lutters zu Revitalisierungen alter Gebäude liegt: Das Besondere sei, „einen Ort zu untersuchen – was ist er, was kann er, welche Geschichte erzählt er, und was kann ich daraus machen“, so der Architekt. Das ist ihm im Ennstal gelungen.