Die Presse
20./21. April 2013

Wer sagt, dass die Luft ganz oben immer dünner wird?
Text Sabine Mezler-Andelberg

Aufbau. Wohnen im Dachgeschoß: Manchmal werden hochfliegende Pläne einfach wahr.

Ganz oben, mit viel Licht, tollem Ausblick und einer Terrasse hoch über allen anderen – das ist der Inbegriff von innerstädtischem Wohnluxus. Manchmal darf es aber auch noch das  eine oder andere Extra sein, das das Wohnen im Dachgeschoß noch ein bisserl schöner macht. Wie zum Beispiel ein verglastes Atrium – zusätzlich zur Terrasse, versteht sich. Das findet sich in einem Dachausbau des Wiener Architekten Heinz Lutter in der Mariahilfer Straße: Rampenartig steigt die 330 Quadratmeter große Wohnung um einen Innenhof herum an und mündet über eine Stiege in einer Dachlandschaft, die ungestört vom Leben auf der Straße einen Blick bis zu den Bergen im Süden der Stadt freigibt. „Durch diese rampenartige Erschließung gibt es niedrigere und höhere Räume“, erläutert Lutter die Gegebenheiten im Inneren der Wohnung.
Besonders außergewöhnlich ist allerdings die Außenhaut des Dachgeschoßes: Ursprünglich thronte auf dem Wohn- und Geschäftshaus ein hohes, zweigeschoßiges Mansardendach, dessen obere Hälfte Lutter durch einen Baukörper in Leichtbauweise ersetzte, vor den er ein Netz aus Metallgewebe gespannt hat.
„Eine Dachlandschaft ist immer eine eigene Landschaft, und es geht darum, diesem Ambiente gerecht zu werden“, erläutert Lutter. „Einerseits geht es um die Frage: ,Ergänze ich das Bestehende oder baue ich etwas Neues und trete in Konkurrenz?’.“ Und dann natürlich immer auch um die Herausforderung, einerseits den Baugesetzen und andererseits den Ansprüchen an die Gestaltung von etwas Besonderem gerecht zu werden. „Es geht um die Kunst, die Gesetze so anzuwenden, dass man ein sinnvolles Raumgefüge hinbekommt“, erklärt er, „und nicht fünf Gaupen nebeneinander errichtet. Das kostet das gleiche Geld, ist aber schlecht.“
In der Mariahilfer Straße ist ihm das definitiv gelungen. Die Vorschriften besagten, es müsse wieder ein Mansardendach werden, und dem kam Lutter auf kreative Art nach: „Ich habe die Haut aus Metallgewebe vorgesetzt und dahinter das Gebäude mit der riesigen Dachterrasse gebaut“, schildert der Architekt. Dieses besticht nun durch eine Großzügige Glasfassade und wurde etwas hinter die bestehenden Dachkanten gesetzt. Und das „Netz“ dient heute nicht nur der äußeren Anmutung als zweigeschossiges Mansardendach und damit der Einhaltung der Vorschriften, sondern auch der Beschattung, als Geländer für die Terrasse – und architektonisches Element, das das Wohnen auf diesem Dach zu etwas Besonderem macht.