Der Standard
30. Oktober 1999
Maisonetten im Dreierpack

Ein Wohnhaus mit Flanken aus weichem Holz und einem kristallinen Mitteltrakt setzte Heinz Lutter an den Wiener Stadtrand.
Die Kubatur des kompakten Wohnbaus in Wien-Hütteldorf wirkt kaum größer als die mancher Einfamilienhäuser und birgt doch drei sehr großzügige Wohnungen. Das Haus liegt am Stadtrand von Wien, in einer Siedlungsgegend an der Kante zum Wienerwald, wo der Bezirksname Hütteldorf die städtebauliche Situation sehr treffend beschreibt. Architekt Heinz Lutter ( Mitarbeit: Karl Hoffmann, Projektleitung: Konrad Rautter) entschied sich in dieser Lage, die nicht mehr Stadt, aber auch nicht Dorf ist, für eine Architektursprache, die städtische und ländliche Charakteristika verbindet.

Ein etwa zehn Meter hoher, verglaster Mitteltrakt wird von zwei nied-
rigeren Seitenteilen flankiert, die so gegeneinander verschoben sind, das der westliche Teil mit der Straßenfassade bündig ist, der östliche mit der Gartenfront. Sie sind mit Holz verkleidet, das weicher wirkt als der strenge Glaskörper. Bedingt durch die leichte Hanglage, konnte zum Garten hin der Keller als Wohngeschoß genutzt werden. Da das Dachgeschoß im Mittelteil jedoch an dieser Seite zurückspringt, um einer Terrasse Platz zu machen, erscheint das Gebäude frontal betrachtet auch hier nur dreigeschoßig.

Den raumhohen verglasten Fronten im Mittelteil sind im Brüstungsbereich und an der Attika transluzente Streifen aus schlichtem, zur Zeit recht beliebtem Profilitglas vorgeblendet. Sie gewähren nicht nur ausreichend Sichtschutz, sondern gliedern auch die hohe Fassade, die dadurch etwas niedriger wirkt. Diese Absicht, den Mittelteil zu gliedern und rundum einheitlich gestaltet als eigenes Element klar zu kennzeichnen, ist der Grund, dass die vorgebelendete Brüstung sich vor den Parapeten im Osten und Westen fortsetzt, wo sie als Sichtschutz nicht mehr notwendig wäre. Die Jalousiekästen fungieren zugleich als Träger der Brüstungs-Unterkonstruktion. Der Haupteingang liegt an der Ostfassade, dem man sich vom Gartentor über eine Brücke nähert. Die drei Wohnungen sind jeweils als Maisonette-Typen ausgebildet und werden über das zentral liegende Stiegenhaus erschlossen, wobei jede Einheit von einem anderen Geschoß aus zugänglich wird. Die eine Maisonette, sie erstreckt sich über jeweils eine Hälfte von Keller und Erdgeschoß, wird in der untersten Ebene betreten. Vom Erdgeschoßniveau aus gelangt man in die straßenseitige Maisonette, die intern Erdgeschoß und ersten Stock verklammert. Eine Treppe höher gelangt man in die letzte der drei Wohnungen, die sich über die Nordhälfte des ersten Stocks und das gesamte, schmälere Dachgeschoß ausbreitet.

Das Motiv der Profilitverglasung wiederholt sich im Inneren, wo die Küchen mit ebensolchen durchscheinenden Wänden von den Wohnräumen getrennt sind. Der Eindruck von Großzügigkeit und Helligkeit wird durch die raumhohen Verglasungen nach Norden bzw. Süden sowie Lufträume über beiden Geschoßen begünstigt. Die von außen Blick abwehrenden Brüstungen mindern den Lichteinfall kaum. Eine bewegliche Wand, ein Mittelding zwischen Schiebetür und Paravent, ermöglicht es, den großen Wohnraum von den angrenzenden Zimmern abzutrennen oder ihn ebendorthin zu erweitern.